Sprecht nur für euch

Eine Frau steht inmitten einer Demonstration.* Gegen Homoehe, Homoadoption und Homo sowieso. „Wir Frauen“ sagt sie und meint damit 90% ihrer gefühlten Schwestern. Diese überschaubare Gruppe irgendwo jenseits der Drei-Milliardengrenze würde Ekel empfinden beim Betrachten von Männern, die ihr „Geschlecht“ in einen anderen stecken. Und direkt stellen sich mir einige Fragen.  Warum konsumiert sie offenbar so ausufernd Schwulenpornos? Wie soll dieser Geschlechtstransfer eigentlich aussehen? Vor allem aber: Woher kommt diese selbstüberzeugte Sicherheit, als Sprecherin für nahezu alle Frauen aufzutreten? Wie kommt sie dazu all diese Menschen in moralische Geiselhaft zu nehmen und sie zu Teilzeitdenkern zu degradieren?

Und ist das ja kein Einzelfall. Gerade wenn es um Geschlechterdebatten geht, maßen sich Leute gerne an stellvertretend für „ihre“ Hälfte der Menschheit zu sprechen. Das ist schon in Anbetracht der der schieren Menge mutig. Doch diese Herangehensweise ist typisch in den Medien aber auch im Alltag, wenn sie mal wieder über DIE Frauen oder DIE Männer reden.

Beliebt ist das Ganze auch, wenn mal wieder jemand die nebulöse schweigende Mehrheit bemüht. Diese vielzitierte „schweigende Mehrheit“. Die ja dem Namen nach die Angewohnheit hat, zu schweigen. Und so stellt sich die Frage, warum man annimmt, in deren Interesse sprechen zu können.

Es grenzt eigentlich an Größenwahn. Abgesehen davon ärgert es mich auch ganz persönlich. Es ist ja schön, wenn Leute eigene Erkenntnis gewinnen oder sich gar frisch erleuchtet fühlen. Ich möchte aber nicht von willkürlich daher gelaufen Menschen, mit denen ich zufällig ein gemeinsames Merkmal teile, in irgendwelche Gruppen eingeordnet werden. Ich möchte keine Zwangsintegration weder in ein „ihr“ („Was denkt ihr Männer euch eigentlich?“) noch in ein „wir“ („Wir Eltern denken, fühlen und tun folgendes!“).

Demut ist leider ein Wort, das von der Kirche in der Historie recht erfolgreich entstellt wurde. Dennoch passt es in diesem Fall irgendwie. Etwas mehr Demut, etwas weniger Größenwahn wäre angebracht. Es würde kein einziges Argument – so man denn eins hat – entwerten, wenn man einfach einmal nur für sich selbst spricht und die anderen entscheiden lässt, ob sie genauso denken, fühlen, leben.

 

*eine aufwühlende Dokumenation übrigens

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